Auslandseinsätze des THW Österreich

 

Nachdem es in Österreich schwierig ist, als THW der Allgemeinheit zu dienen, haben wir uns schon vor langer Zeit an Hilfsmaßnahmen im Ausland beteiligt. Die meisten Projekte wurden von uns alleine gemeistert, wenn es aber Mög-lichkeiten für sinnvolle Kooperationen gab, haben wir selbstverständlich diese genützt, wobei es uns in Erster Linie nicht darum ging, protzige Fernsehinter-views zu geben, sondern notleidenden Menschen einfach, unbürokratisch sowie „ohne Wenn und Aber“ zu helfen.

Bald nach der Gründung des THW Österreich wurden bereits Hilfsprojekte im Ausland gestartet. Geholfen wurde bei Murenabgängen und bei einigen Über-schwemmungen in Italien. In diesem Land waren wir allerdings schon einige Jahre vor der Gründung, sozusagen als Vorläufer des THW. Es fand sich eine Gruppe von Samaritern, Pfadfindern und Rot-Kreuz-Mitarbeitern innerhalb we-niger Stunden zusammen, um beim Erdbeben in Friaul zu helfen, lange bevor große Hilfsorganisationen in riesigen Konvois eintrafen. Eine kleine Einheit kann eben schneller reagieren als eine große, nach dem Prinzip „wer schnell hilft, hilft doppelt“. Die Bereitschaft schnell zu helfen, hat damals eine kleine Gruppe veranlaßt, in Richtung einer Hilfsorganisation hinzuarbeiten. Nach einer Kooperation mit dem Samariterbund dachten wir jedoch an eine eigene Organisation, da unsere geplante Tätigkeit nicht genau in das Schema einer Rettungsorganisation passen wollte.

Seine erste echte Feuertaufe erhielt der „Muster-K-Zug“ des THW Österreich, als nach einem verheerenden Sturm unter anderem viele Straßen durch um-gestürzte Bäume blockiert waren. Damals machte das THW Österreich in den Bundesländern Salzburg und Oberösterreich abschnittsweise Straßen zweiter Ordnung frei, nur in einem einzigen Fall hatten wir eine „attraktive“ Straße in rbeit, nämlich die Hauptstraße nach Oberndorf bei Salzburg. Große Arbeit lei-steten dabei auch die Freiwilligen Feuerwehren, wobei betont werden muß, daß teilweise mehr Leute und Motorsägen des THW vor Ort waren.

In der Presse fand dieses kein Gehör, es hieß „…die Freiwilligen Feuerwehren und freiwillige Helfer“. Die freiwilligen Helfer, das waren wir, doch gerade wir hätten damals ein wenig Publicity gebraucht.

Noch während die Revolution in Rumänien im Gange war, brachten unsere Helfer bereits Hilfsgüter in den Westen des Landes. Nachdem die großen Organisationen mit Verspätung vor Ort waren, kümmerten wir uns um den Norden des Landes, das eigentliche Armenhaus von Rumänien. Dorthin hatte sich nie ein Hilfstransport außer unseren verirrt. Die THW-Mitarbeiter erinnern sich noch heute über tief verschneite und schwer zu befahrende Karpathen-pässe, alleine deswegen war es logisch, daß zu dieser Jahreszeit niemand in diese gottverlassene Gegend fahren wollte. Natürlich kam es durch unwegsa-me Verkehrswege auch zu Unfällen eigener Fahrzeuge, aber wer die Not in der Region sah, der wußte, daß man wiederkommen mußte.

Eineinhalb Jahre später begann der Krieg in Kroatien. Wir sahen selbst, welch einen harten Stand die nur mit Pistolen und Gewehren bewaffneten kroati-schen Polizisten gegen die Jugoslawische Bundesarmee hatte, die alles ein-setzte, was eine der größten Armeen Europas in seinem Arsenal hatte: Düsenjäger, Raketen, Kanonen, Panzer und so weiter. Das eigentliche Pro-blem war jedoch nicht die Bundesarmee, in deren Reihen auch viele kroatische und slowenische Wehrpflichtige ungewollt kämpfen mußten, son-dern die zumeist serbischen Freischärler, die sich an nichts hielten, was Gott oder die Menschheit verboten hatte.

Das Elend dieser Tage hat sich unseren Helfern bis heute tief eingeprägt. Das THW Österreich war unter den Ersten, die Hilfstransporte in dieses schwer erschütterte Land brachten. Als 1992 der Krieg auch in Bosnien begann, war Kroatien von der internationalen Bildfläche verschwunden, obwohl noch immer gekämpft wurde und alleine innerhalb Kroatiens etwa eine Million Flüchtlinge mitversorgt werden mußten. Selbstverständlich organisierten wir auch Hilfs-transporte nach Bosnien, aber wir vergaßen dabei keineswegs die Not der Kroaten. Als schon niemand mehr an Kroatien ein Interesse hatten, fuhren wir noch immer in dieses noch immer arme Land, zumeist in Kooperation mit dem Samariterbund oder anderen Organisationen. Unser Partner vor Ort war im-mer die Caritas.

Während etwa unser 30. Transport in Kroatien war, begann der Krieg erneut. Mit der Aktion „Oluja“ holte sich Kroatien das von den Serben eroberte Land wieder zurück, neue Armut und Not waren die Folge. So war es nur logisch, daß erst mit der Jahrtausendwende unser letzter Hilfstransport nach Kroatien abgefertigt wurde.

Bis zum heutigen Tag halfen und helfen wir in Kroatien noch weiter. Einerseits gab es Arztstationen zu errichten oder in beschädigten Klöstern zu arbeiten. Andererseits gab und gibt es in Kroatien abseits der Hauptstraßen noch genü-gend Tätigkeiten für unsere Helfer. Natürlich werden diese Maßnahmen nach und nach auslaufen. Aktuell bestehen auch zwei Projekte in Bosnien, die noch Jahre von uns betreut werden müssen.

Stunden nach der Tsunami-Katastrophe standen zwei Teams des THW Öster-reich bereit, denn das große Unglück ereignete sich zwischen den Feiertagen, als auch unsere Ärzte, Sanitäter und technischen Helfer großteils auf Urlaub waren. Auf unsere angebotene schnelle Hilfe wurde jedoch nicht reagiert, ähnlich erging es uns im April 2015, als wir unmittelbar nach dem Erdbeben in Nepal unsere Hilfe erfolglos angeboten hatten. Lediglich einige unserer Mit-glieder, die gerade zufällig in Nepal weilten, konnten vor Ort sachkundige Hilfe leisten. Im Augenblick wollen wir in einer entlegenen Region mit Hilfe des Vereines „Nepalhilfe Austria“ und einer nepalesischen Partnerorganisation vor Ort eine Schule errichten und für ein Wasserleitungssystem sorgen.

Unsere Welt wird auch in Zukunft vor Unglücken und Naturkatastrophen nicht verschont bleiben. Im Rahmen seiner Möglichkeiten wird sich, wie in der Ver-gangenheit, das THW Österreich in gewohnter Weise an Hilfsmaßnahmen be-teiligen.